Leichte Nutzfahrzeuge: Vom harten Bock zur «Sänfte»

Es war einmal…, doch es ist noch nicht so lange her, da waren leichte Nutzfahrzeuge reine Arbeitsgeräte. Robust, funktional und rentabel mussten sie sein. Mehr wurde nicht als nötig erachtet. Inzwischen haben die 3,5-Tönner PW-Standard erreicht. Und das hat seine guten Gründe.

Text: Erwin Kartnaller / Foto: zVg

Man könnte es überspitzt formulieren: Noch vor wenigen Jahren löste es ein Freudengefühl aus, wenn nebst dem Tachometer noch ein Drehzahlmesser das Armaturenbrett schmückte. Weitere Anzeigeinstrumente, mal von der Benzinuhr und der Temperaturanzeige abgesehen, galten ebenfalls als Luxus. Das Fahrwerk bestand an der Hinterachse vielfach aus einer Starrachse, ja sogar Blattfedern waren des öfteren noch «state of the art».

Als Arbeitsplatz aufgewertet

 Dass leichte Nutzfahrzeuge heute, respektive seit einigen Jahren, einen ganz anderen Stellenwert geniessen und vor diesem Hintergrund auf allen Ebenen eine gewaltige Entwicklung durchgemacht haben, hat verschiedene Gründe. Mit Sicherheit sind die Leute in der Bewertung ihrer Mobilität anspruchsvoller geworden - dies in Bezug auf Technik, Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Komfort. Mit Blick auf die leichten Nutzfahrzeuge wurde auch der Arbeitsschutz zunehmend höher gewichtet. Es ist schlichtweg nicht einzusehen, wieso die Beleuchtung im Büro, die Ergonomie eines Bürostuhls usw. vorschriftsmässig und zum Schutz der Arbeitnehmer verankert ist, während bei Transportfahrzeugen keinerlei Vorgaben bestehen. Man bringe sich mal zu Bewusstsein: Mit Datum vom 31. Dezember 2018 waren in der Schweiz 376'227 leichte Nutzfahrzeuge für den Verkehr zugelassen. Diese Zahl veranschaulicht den Grad der Betroffenheit.

Den Weg zum Lifestyle-Fahrzeug gepflastert

Es war aber auch das Mobilitätsverhalten der breiten Masse respektive dessen Ansprüche daran verantwortlich, dass die leichten Nutzfahrzeuge eine Qualitätssteigerung erfuhren. Einerseits ist der Wunsch zu nennen, dass multifunktionale Fahrzeuge, die unter der Woche als Arbeitsinstrument und an Wochenenden und in der Ferienzeit als Familien- und Freizeitkutsche genutzt werden können, zunehmend einem Kundenbedürfnis entsprachen. Das erspart den Zweitwagen. Dann aber fand das leichte Nutzfahrzeug aufgrund seiner Platzverhältnisse immer mehr Anhänger, die nach einer Mobilitätslösung für ihre Familie und ihre Freizeitaktivitäten suchten. Dieser Umstand lenkte die Fahrzeugentwicklung in eine neue Dimension.

Die Gene von PWs erhalten

 Der Trend, dass leichte Nutzfahrzeuge zunehmend auch in die Rolle eines Lifestyle-Fahrzeugs schlüpften und damit zu einem erweiterten Einsatz kamen, prägte die technische Entwicklung nachhaltig. Die Transporter wurden nach und nach zu Schönlingen, versehen mit den Genen der jeweils aktuellen Generation an Personenwagen. Viele Komponenten, die im reinrassigen Automobil verbaut wurden, fanden nun auch Eingang in die Ausgestaltung des leichten Nutzfahrzeugs. Wer sich heute in ein Transportfahrzeug setzt, wähnt sich mit Blick auf die Fahrerumgebung tatsächlich in einem PW.