«Smombies» im Verkehr

Unaufmerksamkeit und Ablenkung sind eine der häufigsten Ursachen für Unfälle im Strassenverkehr: Alleine in der Schweiz führte dies 2018 zu 6'351 Unfällen mit Sach- resp. 2'993 Unfällen mit Personenschäden. Eine Entwicklung bereitet den Verkehrssicherheitsexperten dabei besonders Sorgen: Je länger je mehr Verkehrsteilnehmer verspüren den Zwang, im Verkehr telefonieren zu müssen.

Text: transport-CH / Foto: Jan Vasek (pixabay.com)

Über 40 Prozent der Lenkerinnen und Lenker auf Schweizer Strassen benutzen regelmässig das Handy am Steuer. Dies zeigen verschiedene Studien.

Rechtlich ist die Ausgangslage klar: Fahrzeugführer müssen ihr Fahrzeug ständig so beherrschen, dass sie ihren Vorsichtspflichten nachkommen können (Art. 31 Abs. 1 SVG). Wer also während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung telefoniert, wird entsprechend mit einer Busse von 100 Franken gebüsst. Telefonieren am Steuer oder das Bedienen von Kommunikationssysteme- und Informationssystemen kann je nach Fall zu einem Entzug des Führerausweises, hohen Bussen oder auch zu einer Freiheitsstrafe führen. Ausserdem ist zu beachten, dass das Telefonieren während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung – falls deswegen ein Unfall verursacht wurde - in der Unfallversicherung zu Leistungskürzungen wegen Grobfahrlässigkeit führen kann.

«Smombies» - ein Phänomen unserer Zeit

Soweit so gut: Doch nicht nur motorisierte Verkehrsteilnehmer und Velofahrer sind im Strassenverkehr von Handys abgelenkt. Vor allem Fussgänger verspüren immer mehr den Zwang, im Verkehr telefonieren zu müssen. Laut einer von Ford durchgeführten französischen Studie nehmen fast sechs von zehn Nutzern beim Überqueren der Strasse die Augen nicht von ihren Telefonen. In Frankreich werden fast 10 Prozent der Unfälle mit Fussgängern auf die Nutzung von Mobiltelefonen zurückgeführt. Ein modernes Phänomen, das sogar einen eigenen Namen hat: «Smombies», also Smartphone nutzende Zombies, prägen das Bild unserer Strassen.

537 Fussgänger wurden schwer verletzt

Angesichts des sorglosen Umgangs von Fussgängern mit ihren Mobil-Telefonen erstaunt es kaum, dass auch in der Schweiz im vergangenen Jahr abseits eines Fussgängerstreifens wieder mehr Personen getötet (+ 9) worden sind. 537 Fussgängerinnen und Fussgänger wurden schwer verletzt. Damit ist die Schweiz zwar noch weit entfernt von den Zahlen aus den USA, wo 2018 6’000 Fussgänger bei Verkehrsunfällen getötet wurden, was 19 Todesfällen pro eine Million Menschen entspricht. Hellhörig machen sollte die Entwicklung Verkehrssicherheitsfachleute dennoch.