Renault bringt Brennstoffzelle in leichte Nutzfahrzeuge

Jetzt wird’s so richtig spannend: Renault stattet seine Elektro-Nutzfahrzeuge Kangoo Z.E. und Master Z.E. mit einem Brennstoffzellensystem aus. Das Brennstoffzellensystem soll nicht als Primärenergiequelle, sondern als Range Extender dienen. Die Reichweiten der beiden Modelle werden damit auf bis zu 370 Kilometer steigen.

Text: transport-CH / Foto: zVg

Lange Zeit schien es so, als würden die französischen Hersteller bei der Elektrooffensive im Lieferwagensegment vor allem auf die Karte «vollelektrisch» setzen. Es machte fast den Anschein, dass die Konstrukteure aus dem Lande der «Atom-Nation Frankreich» – auf Geheiss von – oben sämtliche Vorbehalte der Elektromobilität gegenüber in den Wind schlagen müssten. Weder das (vielerorts) nach wie vor lückenhafte Netz von Ladestationen, noch die teilweise aktuell beschränkte Reichweite liessen französische Hersteller wie Renault von der Elektrooffensive abrücken. Demgegenüber setzten andere Anbieter wie beispielsweise Ford im Lieferwagenbereich tendenziell eher auf gemischte Antriebstechnologien wie Hybrid.

Kangoo Z.E. und Master Z.E mit Brennstoffzellensystem

Jetzt stattet Renault seine Elektro-Nutzfahrzeuge Kangoo Z.E. und Master Z.E. mit einem Brennstoffzellensystem aus – allerdings als Range Extender und nicht als Hauptenergiequelle. Damit sollen die Reichweiten der beiden Modelle auf bis zu 370 Kilometer steigen, was mit dem Verlust von Nutzlast einhergeht. Insbesondere der Kastenwagen Master Z.E. Hydrogen bietet dennoch eine beachtliche Nutzlast von 1'200 Kilogramm.

Bei dem Hochdach-Kombi Kangoo Z.E. liegt die WLTP-Reichweite in der Batterie-Version bei 230 Kilometern, die Hydrogen-Version soll auf 370 Kilometer kommen. Der Wasserstofftank arbeitet mit 350 bar und soll bis zu 1,8 Kilogramm H2 speichern können. Das Ladevolumen liegt bei 3,9 Kubikmetern, das Mehrgewicht für das Wasserstoff-System gibt Renault mit 110 Kilogramm an – die Nutzlast liegt dann noch bei 540 Kilogramm.

Beim Kastenwagen Master Z.E. Hydrogen verdreifacht sich die Reichweite mit dem Range Extender von 120 Kilometer auf bis zu 350 Kilometer. Der Wagen soll in jeweils zwei Versionen als Lieferwagen und Fahrgestellkabine erhältlich sein. Da die zwei Wasserstofftanks (2,1 kg H2 bei 700 bar) unter der Karosserie sitzen, soll das Ladevolumen (10,8 bis 20 Kubikmeter) unangetastet bleiben. Das Zusatzgewicht liegt in diesem Fall bei 200 Kilogramm, die Nutzlast wie erwähnt bei 1,2 Tonnen.

Die Brennstoffzellen-Technik wurde zusammen mit der Michelin-Tochter Symbio entwickelt und leistet 10 kW. Anders als bei «gewöhnlichen» FCEV liegt die Leistung der Brennstoffzelle bei dem Range-Extender-Layout deutlich unter der Motorleistung von 44 kW (Kangoo Z.E.) bzw. 57 kW (Master Z.E.).

Vor allem aber: Während bei den meisten Brennstoffzellenautos nur eine kleine Pufferbatterie von wenigen kWh verbaut wird, die permanent von der Brennstoffzelle nachgeladen wird, ist bei Renault auch das Laden der Batterie per Kabel vorgesehen. Die 33 kWh grosse Batterie der beiden Nutzfahrzeuge bleibt unverändert und kann selbstverständlich per Kabel aufgeladen werden. Das Wasserstoff-System kommt hier nur dazu und sorgt mit seiner geringen Leistung für ein permanentes Nachladen, um die Reichweite zu verlängern. In den meisten Fahrszenarien wird die Batterie aber schneller entladen werden, als die 10-kW-Brennstoffzelle nachladen kann.

Den Marktstart des Kangoo Z.E. Hydrogen kündigt der französische Hersteller für Ende dieses Jahres an. Der Master Z.E. soll in der ersten Jahreshälfte 2020 folgen.

Übrigens: Auch DHL Express und StreetScooter arbeiten zusammen an einem Elektro-Nutzfahrzeug, welches zusätzlich mit einer Brennstoffzelle ausgestattet ist.

 

Hinweis: Dieser Artikel basiert weitgehend auf Informationen aus  https://www.electrive.net/2019/10/22/renault-bringt-brennstoffzelle-in-leichte-nutzfahrzeuge/