Die Zukunft bahnt sich langsam an

Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung scheint über den Klimawandel besorgt zu sein. Allerdings sind nur sehr wenige von ihnen bereit, ihr Mobilitätsverhalten zu ändern. Der Schwerpunkt möglicher Verhaltensänderungen wird dabei auf Elektrofahrzeuge und Sharing-Modelle gelegt. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie der Universität St. Gallen, der Raiffeisen Schweiz und dem vom Bundesamt für Energie (BFE) getragenen Programm «EnergieSchweiz». Im Vergleich zur Transport- und Nutzfahrzeugbranche scheint die Bevölkerung tendenziell weniger auf den Wandel eingestellt zu sein.

Text: transport-CH / Foto: zVg

Das seit 2011 erscheinende «Kundenbarometer erneuerbare Energien», das gemeinsam von der Universität St. Gallen, der Raiffeisen Schweiz und dem vom Bundesamt für Energie (BFE) getragenen Programm «EnergieSchweiz» herausgegeben wird, untersucht die Präferenzen der Schweizer Bevölkerung zu Energiethemen. Dabei soll die Entwicklung der Einstellung in der Gesellschaft zu Energie- und Klimathemen nachgezeichnet werden. Ziel ist es zudem, neue Trends in Bereichen wie Elektromobilität und gesellschaftliche Akzeptanz für grüne Investitionen zu erkennen. Die Studie basiert auf einer repräsentativen Stichprobe von 1‘021 Befragten in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz.

Mehrheit der Befragten besorgt über Klimawandel

Die neuste Ausgabe des «Kundenbarometers erneuerbare Energien» legitimiert auch die Aktivitäten des Bundes in der Energie- und Klimapolitik, was angesichts der Herausgeberschaft kaum erstaunlich ist. Dennoch sollen den Resultaten eine gewisse Repräsentanz nicht abgesprochen werden.

So zeigen sich 55 Prozent der Befragten besorgt über den Klimawandel. Sogar 61 Prozent sind der Meinung, dass die Schweizer Klimapolitik als Reaktion darauf ehrgeizigere Massnahmen ergreifen sollte.

Umrüstung auf Elektromobilität möglich

Dies gilt selbstredend auch für Transport und Mobilität. Wer die Ergebnisse der Studie indessen genauer unter die Lupe nimmt, wird feststellen, dass nur sehr wenige der betroffenen Bürger selbst auch tatsächlich bereit sind, ihr Verhalten zu ändern – beispielsweise, indem sie auf Elektromobilität umstellen. Nur 6 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich selbst in den nächsten zwei Jahren eine Umstellung auf ein Elektrofahrzeug durchaus vorstellen können.

Obschon dieser Anteil auf 33 Prozent steigt, wenn man diejenigen mit einbezieht, die sich das «eher vorstellen» können, scheint der Bewusstseinswandel bei der Gesamtbevölkerung doch eher langsam vonstatten zu gehen. Im Jahr 2016 war der Anteil in dieser Kategorie bei 25 Prozent gelegen.

Die Hauptgründe bei jenen, die nie ein Elektrofahrzeug kaufen würden, sind, dass sie schlicht nicht glauben, dass Elektrofahrzeuge sauberer sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren (18 Prozent). 15 Prozent gehen zudem davon aus, dass Elektrofahrzeuge zu teuer sind. Zudem befürchten 14 Prozent, dass die Schweiz nicht über genügend Strom verfügt, um im grossen Stil auf Elektromobilität umzusteigen.

Zukunftsforscher glauben an Mitfahrgelegenheiten

Zukunftsforscher setzen bei der Lösung ökologischer Probleme daneben vor allem auf neue «Sharing-Modelle». Sie gehen davon aus, dass mit dem Aufkommen des autonomen Fahrens die Zahl der Menschen, die noch eigene Fahrzeuge besitzen wird, rapide abnimmt. Auch hier zeigt die Studie jedoch ein anderes Bild, wenn es um das tatsächliche Verhalten und die Anpassungsbereitschaft der Menschen geht. Fazit: Nur 30 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer mit eigenen Fahrzeugen sind heute bereit, «Sharing-Modelle» in Betracht zu ziehen.

Immerhin: Bei den Nutzern von Sharing-Angeboten würden 34 Prozent «sicher ein Elektrofahrzeug statt ein herkömmliches Fahrzeug wählen, falls vorhanden». Dieser Prozentsatz steigt auf 65 Prozent, wenn man diejenigen miteinbezieht, die sich (lieber) für ein Elektrofahrzeug entscheiden würden.

Die beiden Hauptgründe für die Nichtnutzung eines Fahrgemeinschaftsdienstes waren die Präferenz für das eigene Auto (36 Prozent) und die Komplexität der Planung, wann und wo das Fahrzeug eingesetzt werden soll (19 Prozent). Andererseits waren die Kosten nur für 7 Prozent ein Hinderungsgrund.

Die Transport- und Nutzfahrzeugindustrie ist richtungsweisend.

Vergleicht man die Einstellung der gesamten Bevölkerung mit der Einstellung und dem Engagement der Nutzfahrzeug- und Transportindustrie, so nimmt letztere offensichtlich (einmal mehr) eine Vorreiterrolle ein.

In der Schweiz setzt die Transportbranche zwar immer noch weitgehend auf konventionelle Technologien, was angesichts der Fortschritte in diesen Bereichen nicht verwunderlich ist. Man kann jedoch zweifellos sagen, dass der Bereich Nutzfahrzeuge und Logistik den Trend bereits teilweise vorweggenommen hat und sich intensiv mit alternativen Antriebstechnologien beschäftigt. Darüber hinaus scheinen private Unternehmer eher bereit zu sein, Risiken einzugehen und zu handeln als die Bevölkerung. Ohne sofort einen «Klimanotstand» ausrufen zu müssen ...

 

Hinweis: Vorliegender Bericht basiert auf dem unlängst publizierten «9. Kundenbarometer erneuerbare Energien». Die Studie wird gemeinsam von der Universität St. Gallen, der Raiffeisen Schweiz und dem vom Bundesamt für Energie (BFE) getragenen Programm «EnergieSchweiz» herausgegeben. https://www.raiffeisen.ch/content/dam/wwwmicrosites/casa/pdf/Kundenbarrometer_2019_DE.pdf