Klimawandel: Die Evolution eines Problems

Obwohl die Wirkung von Treibhausgasen bereits im 19. Jahrhundert von Wissenschaftern erkundet wurde, galt die Erderwärmung in den globalen Problemfeldern bis Ende der 1970er Jahre als weitgehend irrelevant. Erst in den 1980er Jahren wurden Gefahren thematisiert und die Forschungen intensiviert. Bis 2014 sind über 220'000 Klimaarbeiten publiziert worden. 97% der Klimatologen sind sich heute einig: Es findet ein von Menschen verursachter Klimawandel statt.

Text: transport-CH / Foto: Gerd Altmann (pixabay.com)

Bereits im Jahr 1824 veröffentlichte ein französischer Physiker als erster Erkenntnisse zum wärmenden Treibhauseffekt, allerdings ohne eindeutige Quellen zu identifizieren. Der Engländer John Tyndall vermutete nach einer Gletscherstudie in der Schweiz Mitte der 1860er Jahre, dass Treibhausgase wie Wasserdampf und Kohlendioxid für die Eisbewegungen mitverantwortlich sein könnten. Der Schwede Svante Arrhenius stellte Ende des 19. Jahrhunderts erstmals die Hypothese auf, dass die von der Menschheit ausgelöste CO2-Anreicherung zur Erderwärmung beitragen könnte und sah das durchaus in einem positiven Licht: «Der Anstieg des CO2 wird zukünftigen Menschen erlauben, unter einem wärmeren Himmel zu leben.»

Auf Abkühlung vor 50 Jahren folgte die Erwärmung

Bis Mitte der 1950er Jahre dachte man, die Ozeane würde das Kohlendioxid in einem Masse aufnehmen, dass eine Anreicherung in der Atmosphäre unwahrscheinlich sei. 1958 gelang indessen durch Messungen auf dem Mauna Loa-Berg auf Hawaii der Nachweis, dass der CO2-Gehalt in der Atmosphäre anstieg. Erste Computerberechnungen ergaben einen Temperaturanstieg fürs Jahr 2000 um etwa 1 Grad.  Doch in der Realität sanken die globalen Durchschnittstemperaturen bis Mitte der siebziger Jahre weiter, so dass sogar vor einer drohenden Eiszeit gewarnt wurde. Allerdings befürchteten andere Forscher schon damals, dass die Abkühlung in etwa 10 Jahren enden und ein «Global Warming» einsetzen werde.

Erste Weltklimakonferenz: Klimawandel als «ernstes Problem»

Mit der 1. Weltklimakonferenz im Jahr 1979 wurde der Klimawandel als «ernstes Problem» in die Öffentlichkeit getragen, was der internationalen Klimaforschung zum Durchbruch verhalf. Im gleichen Jahr verband die amerikanische Wissenschaftsakademie den CO2-Anstieg vor dem USA-Senat mit einer signifikanten Klimaerwärmung, deutliche Effekte seien jedoch erst in Jahrzehnten zu erwarten.

In den 1980er Jahren wurde die Klimaforschung intensiviert. So wurde anhand von Eiskernen in Grönland u.a. festgestellt, dass die wärmeren Temperaturen während der Erdgeschichte mit höheren CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre einhergingen.

1988 wurde schliesslich der «Zwischenstaatliche Ausschuss über den Klimawandel» (IPCC) unter Führung der Reagan-Regierung mit der Aufgabe eingerichtet, Berichte und Empfehlungen aller weltweit im Bereich Klimatologie führenden Wissenschafter zusammenzufassen.

Regelmässige internationale Berichte zum Klima

Im 1990 veröffentlichten 1. Sachstandsbericht des IPCC war zwar von einer globalen Temperaturerhöhung die Rede. Es gebe aber nur «wenige empirische Nachweise» für einen von Menschen verursachten Klimawandel. Erst 1996 im 2. Sachstandsbericht des IPCC wurde sodann aufgrund der Datenauswertung die Vermutung geäussert, dass der Mensch einen «merklichen Einfluss» auf das Klima ausübe.

Hatten Wissenschafter Mitte der 80er-Jahre noch die Ein-Grad-Erhöhung als Ziel formuliert, so wurde ein Jahrzehnt später das heute allseits anerkannte Zwei-Grad-Ziel von Wissenschaft und Politik beschlossen. Dieses Ziel basiert auf der Annahme, dass bei Überschreiten einer globalen Erwärmung um zwei Grad Kipppunkte erreicht würden, die unumkehrbare und in ihren Konsequenzen schwer einzuschätzende negative Folgen nach sich zögen.

Zweifel in der Wissenschaft weitgehend ausgeräumt

2001 quantifizierte der IPCC in seinem 3. Bericht das Ausmass des menschlichen Einflusses auf den Klimawandel. Im 4. Bericht 2007 wird als die hauptsächliche Ursache des Global Warming mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent «sehr wahrscheinlich» die vom Menschen verursachte Produktion von Treibhausgasen angegeben. Im 5. Bericht wurde 2013 der menschliche Einfluss sodann als «extrem wahrscheinlich» bezeichnet.

Die wissenschaftliche Übereinstimmung zum Klimawandel besteht darin, dass sich das Erdklima erwärmt und weiter erwärmen wird. Mit 95prozentiger Wahrscheinlichkeit wird dies hauptsächlich durch Treibhausgase (Verbrennung fossiler Energieträger und Methanproduktion durch Vieh) sowie die Rodungen von Waldgebieten verursacht.