Elektromobilität für die «Schweren»

Die Elektrifizierung der Nutzfahrzeugbranche schreitet voran - bei schweren Nutzfahrzeugen derzeit noch langsam. Aber auch in der Schweiz werden immer mehr E-Trucks eingesetzt.

Text: transport-CH / Foto: Hugelshofer Logistik AG

Als der Schweizer Umrüstspezialist E-Force One vor zwei Jahren gemeinsam mit der Iveco (Schweiz) AG sein 18 Tonnen schweres Nutzfahrzeug präsentierte, galt der erste vollelektrische Lastwagen an der transport-CH 2017 als kleine Sensation. Mit den Testfahrten im Aussenbereich der BERNEXPO konnten sich die interessierten Besucher auch selbst von der Praxistauglichkeit der umgebauten Iveco-Fahrzeuge überzeugen.

Erstes 40-Tonnen-Vollelektrofahrzeug

Inzwischen sind E-Force One und Iveco (Schweiz) AG nicht mehr die einzigen auf dem Schweizer Elektro-Lastwagenmarkt, wobei mehrere Hersteller E-Trucks mit einem Gesamtgewicht von 26 Tonnen anbieten.

Die Hugelshofer Gruppe in Frauenfeld präsentierte unlängst den ersten vollelektrischen Sattelzug der Schweiz mit einem Gesamtgewicht von 40 Tonnen. Basierend auf einem MAN TGX 18.360 4x2 LLS mit XLX-Kabine hat Emoss B.V. das Fahrzeug mit einem Elektroantrieb ausgestattet. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 44 Tonnen und verfügbaren Leistungsvarianten von 250 bis 350 Kilowatt ist es nach Angaben der Hugelshofer Gruppe je nach Topographie möglich, 150 bis 200 Kilometer ohne Zwischenladung zu fahren.

Laut Martin Lörtscher, Geschäftsführer der Hugelshofer Gruppe, wird der E-Truck vor allem nachts für die Paketzustellung eingesetzt: «Einer der großen Vorteile des neuen Sattelzuges ist, dass er im Gegensatz zu herkömmlichen Lastwagen fast geräuschlos ist.»

Dieser «Komfort» ist nicht ganz billig: «Mit dem investierten Geld kann man ein Haus kaufen», sagt Lörtscher. «Der E-Truck ist etwa viermal so teuer wie ein herkömmliches Fahrzeug.»

Daimler startet die amerikanische «Freightliner»-Offensive

Es wird wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit sein, bis auch andere Nutzfahrzeughersteller auf die «elektrische Welle» setzen. Daimler Trucks hat bereits den Start einer «Elektro-Offensive» in den USA angekündigt: Im nächsten Jahr wird das Werk Portland (USA) auf E-Trucks unter der Marke «Freightliner» umgestellt. Die Serienproduktion der Modelle eM2 und eCascadia soll 2021 beginnen. Die Entscheidung wurde zugunsten von Portland getroffen, weil es in der Nähe von Kalifornien liegt, das für seine hohe Nachfrage nach Elektrofahrzeugen bekannt ist, so Daimler Trucks.