Der König ist wieder auf Achse

Um seinem langjährigen Arbeitgeber und Gönner zu dienen, unterbricht Christian Stucki (34), Schwingerkönig, seine königlichen Ferien . Gegenüber BLICK (offizieller Medienpartner der transport-CH) erklärt er im TV-Interview, warum es ihm das wert ist.

Text: Marcel W. Perren (BLICK) / Foto: Christian Pfammatter

Aus der Kantine des Berner Fleischwaren-Produzenten Lüthi & Portmann duftet es bereits in ­aller Herrgottsfrühe nach Schweinsrippli und Bratwürsten. Während sich hier viele Metzger zum Zmorge mit diesen saftig gebratenen Zungenschnalzern verköstigen, unterdrückt der hochkarätige Last­wagenchauffeur des Unternehmens bei seinem Dienstbeginn um 7.40 Uhr seine Fleischeslust.

Die Rede ist von Schwingerkönig Christian Stucki, der seit 2010 im 60-Prozent-Pensum für den Grossmetzger aus Deisswil Fleisch transportiert.

Arbeiten statt Ferien

«In meiner Anfangszeit habe auch ich kräftig am üppigen Buffet der Betriebskantine zugelangt. Aber weil sich das nicht positiv auf mein Gewicht aus­gewirkt hat, beschränke ich mich jetzt auf ein Birchermüesli zum Zmorge», erzählt «Chrigu» vor seinem ersten Arbeitstag als König.

Ursprünglich wollte er in dieser Woche noch ein paar freie Tage mit seiner Familie geniessen. Aber dann hat ihn Ende letzte Woche ein Anruf seines Chefs erreicht. «Er hat mir erzählt, dass er wegen des Unfalls eines Chauffeurs einen Personalengpass habe. Weil ich in der Vergangenheit schon so oft von der Grosszügigkeit und Flexibilität meines Arbeitgebers profitiert habe, springe ich jetzt gerne ein.»

Der herzensgute «Böse» zieht dafür sein schneeweisses Übergewand an und setzt sich ans Steuer des Iveco-Lastwagens, dessen Camion mit einem spektakulären Bild des schwingenden Stucki auf der Autobahn ­besonders herausstechen wird.

Kein Alkohol im Blut

Bevor er den Schlüssel zum Start dreht, stellt sich aufgrund der zahlreichen Partys seit der Krönung in Zug die Frage nach dem Rest-Alkohol im adeligen Blut. Stucki winkt lächelnd ab: «Vor lauter Händeschütteln und Selfiesmachen hatte ich an den für mich organisierten Empfängen wenig Zeit zum Alkoholtrinken. In den letzten drei Tagen habe ich keinen einzigen Schluck Alk getrunken. Ich bin derzeit immer noch im Schwinger-Modus. Das wird sich erst ändern, wenn ich gegen Ende September mit meiner Familie in die Ferien verreise.»

Der 150-Kilo-Mann macht sich nun mit seinem mit Frischfleisch und Wurst beladenen 18-Tönner auf den Weg zu einer Grossmetzgerei im Kanton Freiburg. «Heute sitze ich deutlich entspannter hinter dem Steuer als an meinem letzten Arbeitstag vor dem Eidgenössischen. Mit dem Gewinn der Schwinger-Krone ist wirklich ein riesiger Stein von meinem Herzen gefallen.»

Bach ihm benannte Delikatesse zum Feierabend

Stucki ist nun bei seinem Kunden in Courtepin angekommen. Locker rangiert er sein mit Fleisch und Wurst randvoll beladenes Vehikel rückwärts an die Rampe und schwingt sich dann auf einen Gabelstapler, mit dem er ein Palett nach dem anderen aus dem Camion befördert.

Rund 30 Minuten später sind wir schon auf der Rückreise ins Bernbiet. Nach dem Mittag fährt Stucki dieselbe Tour noch einmal. Zum Feierabend gönnt sich «Chrigu» eine Delikatesse, die sein Arbeitgeber erst seit ­seiner heroischen Leistung vor acht Tagen im Sortiment hat – einen nach ihm benannten ­Königs-Cervelat.

 

Hinweis: Den ganzen Beitrag als TV-Interview gibt’s hier auf blick.ch:.