Transport und Nutzfahrzeughersteller stellen sich der Klimadiskussion

«Klimawandel» - die Diskussionen sind «in der Mitte der Gesellschaft» angekommen. Auch wenn die Meinungen kontrovers sind, so ist doch unbestritten: Die Entwicklung der sog. «Klimadebatte» beeinflusst auch die Evolution von Transport und Nutzfahrzeugen. Die Branche stellt sich deshalb den Diskussionen, zumal es auch Chancen gibt.

Text: transport-CH / Foto: zVg

Schenkt man den Akademien der Wissenschaften Schweiz Glauben, so wird die Schweiz von den Veränderungen des Klimas nicht verschont bleiben. Im Gegenteil: Die Schweiz sei vom Klimawandel besonders betroffen, hielten die Forscher in ihrem Bericht «Brennpunkt Klima Schweiz» 2016 fest (https://naturwissenschaften.ch/uuid/2b06c5fb-cc63-5e48-a6f8-4c011eb84888?r=20170706115333_1511260654_07094532-cb73-5262-aaea-e901e7ba3a51). Die Forscher versuchten schon vor drei Jahren, den aktuellen Wissensstand zum Klimawandel in der Schweiz zusammenzutragen. Als Grundlage wurden die für die Schweiz bedeutsamen Daten des letzten Sachstandsberichts des Uno-Weltklimarats (IPCC) von 2013 verwendet und mit Studien zum Alpenraum ergänzt.

Das Fazit des Berichts – so der Titel in der NZZ vom 7. November 2016: «Die Schweiz reagiert empfindlich!» (https://www.nzz.ch/wissenschaft/klima/klimawandel-die-schweiz-reagiert-empfindlich-ld.126817).  Seit 1850 sei die Jahresdurchschnittstemperatur um 1,8 Grad Celsius angestiegen – rund doppelt so viel wie im globalen Mittel (etwa 0,85 Grad). Die Folgen zeichnen sich bereits ab: Die Gletscher schwinden, die Schneefallgrenze steigt, es kommt häufiger zu extremen Wetterereignissen wie Hitzewellen, Starkniederschlägen und Hochwassern.

Naturgefahren als Problem für Planbarkeit von Transporten

Diese Entwicklung bleibt auch für Transport und Nutzfahrzeuge nicht ohne Folgen: Die Diskussionen um den Klimawandel wirken sich auf die Branche aus. Viele Unternehmen reagieren darauf und stellen sich den Herausforderungen und neuen Gefahren: Von allfällig klimabedingten Veränderungen gehen teilweise Naturgefahren wie Erdrutsche aus, die auch die Verkehrswege und Infrastrukturen in der ganzen Schweiz betreffen können. Insbesondere die Planbarkeit von Transporten könnte dadurch fallweise zum Problem werden. Letztlich wird damit zweifellos eine Verteuerung der Mobilität insgesamt einhergehen (höhere Infrastrukturkosten, Planbarkeit, Ausfälle usw.).

«Klimadiskussion» bietet auch Chancen für Transport

Indessen bieten der Klimawandel und die Diskussionen darüber nicht nur Risiken. Im Gegenteil: Zu Recht hat der Schweiz. Nutzfahrzeugverband ASTAG im März dieses Jahres (5. März 2019) darauf hingewiesen, dass sich in diesem Umfeld beispielsweise der Car «als umweltschonende, kostengünstige und komfortable Alternative» geradezu anbiete. «Kein anderes Verkehrsmittel verbraucht pro Person weniger Energie.»

Gemäss den Zahlen der Schweizer Plattform www.mobitool.ch verbrauchen Reisebusse pro Person im Vergleich zum Auto, zum Flugzeug und selbst zur Bahn mit Abstand am tatsächlich wenigsten Energie. Daraus resultiert auch der geringe Schadstoffausstoss. Bei einer durchschnittlichen Besetzungsquote von 60 Prozent stösst der Reisecar 41 Gramm CO2 pro Person und Kilometer aus. Beim Flugzeug sind die Werte sechsmal so hoch. Und selbst die Bahn verbraucht im Ausland im Durchschnitt mehr Treibhausgase pro Person und Kilometer als der Reisecar.

Das Fazit der ASTAG: «Für die Emission von einem Kilogramm CO2 kann man mit dem Car 25 km weit reisen, mit dem ICE in Deutschland 20 km, mit dem Personenwagen 5 km und mit dem Flugzeug 4,5 km.» Hinzu komme, dass Reisecars helfen, das Verkehrsaufkommen zu reduzieren. «Denn ein Car ersetzt ca. 20 Personenwagen. Damit hilft der Car, Staus zu verringern und die Parkplatznot in den Städten zu mildern.»

Hersteller von Nutzfahrzeugen reagieren

Auf der anderen Seite haben auch die Hersteller von Nutzfahrzeugen längst reagiert: Mit neuen Strategien begegnen sie dem Phänomen des «Klimawandels». VW Nutzfahrzeuge will beispielsweise mit der Strategie GRIP 2025+ «den Wandel an der Spitze unserer Industrie gestalten.» Alleine 2019 werden hierfür mehr als 1,8 Milliarden Euro investiert. Das Ziel ist klar: «Wir entwickeln uns vom reinen Autohersteller zum Mobilitätsanbieter», so Thomas Sedran, Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen Nutzfahrzeuge. Im Fokus von GRIP 2025+ stehen Klimaschutz, Digitalisierung, neue Mobilitätsdienste und autonomes Fahren. Dabei sollen massgeschneiderte Angebote für Gewerbekunden und emotionale Fahrzeuge für Familie und Freizeit ein wichtiges Kerngeschäft der Marke bleiben, aber zunehmend um innovative Mobilitäts- und Transportdienste ergänzt werden.

Von einem «Klimanotstand» weit entfernt

Dass die Branche Transport und Nutzfahrzeuge reagiert, ist zweifellos richtig. Indessen sollte bei all den Diskussionen um den «Klimawandel» eines nicht vergessen werden. Eine «Klimahysterie» ist fehl am Platz. Dies hat auch die Regierung des Kantons Zürich unlängst eingesehen. In einer Stellungnahme vom 18. April 2019 hielt sie denn auch zu Recht fest; dass «keine schwerwiegende Störung des Klimas vorliege» - jedenfalls nichts, was die Ausrufung eines «Klimanotstandes» rechtfertigen würde.

 

[Nachtrag: Der Zürcher Kantonsrat hat die Forderungen, man müsse den «Klimanotstand» ausrufen, unterstützt.  Das Parlament hat am 13,. Mai 2019 mit 90 zu 84 Stimmen für den Vorstoss gestimmt. Der «Klimanotstand» wurde bereits im Kanton Waadt, in der Stadt Basel, in Olten und in Delsberg ausgerufen. Keine Chance hatte dieses Symbol hingegen in Luzern und Basel-Land. Auch in anderen Kantonen und Städten sind entsprechende Vorstösse hängig. Weltweit erklärten bereits über 300 Städte den «Klimanotstandes», darunter Los Angeles, Vancouver und London.]